Segellagerbericht 15.08. – 20.08.2022

Eine Zugfahrt am frühen Montagmorgen hat die Mannschaft zwar verschlafen, aber voller
Vorfreude nach Rostock gebracht. Ein paar Minuten später sind 10 „Mann“ mehr an Bord des
132 Jahre alten Traditionsseglers gestiegen. Zweimal Besatzung sowie der Kapitän und unser
heimischer Matrose, der selbst zur Vereinsjugend gehört und die Reise organisiert hat, waren
schon an Bord.
Für die kulinarische Versorgung war bis dahin schon gesorgt und so konnten wir relativ zügig
ablegen. Wir verließen mit der alten Dame den Kai der Hansesail und fuhren auf der Warnow im
Fahrwasser Richtung offene Ostsee. Schnell waren Schoner und Groß gesetzt und bald auch
der Motor aus.
Der Wind zog uns gen Norden, zum kleinen dänischen Nysted. Ein paar Gewitterböen
verlangten unsere Aufmerksamkeit und die erste Regenkleidung durfte auch getestet werden.
Aber als wir dann gegen 20 Uhr in den kleinen dänischen Hafen einliefen und das Essen schon
bereit stand, waren alle glücklich über den ersten Segeltag. Selbstgemachtes Risotto und Salat
haben den Abend und die spätere „Werwolfrunde“ begleitet. Um Mitternacht haben wir noch in
den Geburtstag eines Crewmitglieds reingefeiert und sind dann alle müde ins Bett gefallen.
Am nächsten Morgen wurde nach einem ausgiebigen Frühstück bei viel Sonne durchs enge
Fahrwasser navigiert. Nach zwei Stunden schöner Segelei schlief die Brise auf dem
Vorwindkurs Richtung Norden weiter ein, sodass uns ein anderer Traditionssegler glatt
überholte. Mit Geburtstagskuchen motiviert, steuerten wir weiter hinter den anderen her und
liefen dann gegen Abend in Hesnæs ein. Angelegt im Hafen mit noch 10cm unterm Kiel, gabs
dann Curry mit Reis und dann ging es für die gesamte Besatzung an den Strand und noch mal
in die „Dänische Südsee“.
Mittwoch ging es mit Frühstart unter Motor in die Flaute, obwohl sich der Ableger in Hesnæs
als flacher und schlammiger erwies als am Vorabend. Ein spätes Frühstück,
Brückendurchfahrten zwischen den Inseln und zwei Schweinswale hielten die Mannschaft
jedoch motiviert. Zwischendurch gabs es Gesellschaftsspiele, Polierarbeiten am Schiff und
Griesbrei für alle. Nachmittags wurde dann fleißig navigiert und gepeilt und die Schiffsposition
ohne Elektronik festgestellt. Ohne Wind legten wir auf der offenen Ostsee noch eine
zweistündige Badepause ein. Mit Sektorenfeuern brachten uns die „Navi-Gruppe“ und die
Kochgruppe sicher und satt nach Lohals. Ein gemütlicher Abend wurde durch ein versenktes
Handy und den anschließenden einstündigen Tauchgang unterbrochen. Dann kam aber auch
das Gewitter mit Starkregen auf, was die meisten ins Bett und die ganz Harten an Deck in die
Schlafsäcke trieb.
Donnerstag ging’s wieder früh los und bei wenig Wind gen Süden nach Marstal. Badepause
und gute Musik trieben uns in den Hafen und dann noch zum dänischen Softeis – wo eins für
die ganze Mannschaft gereicht hätte. Jedoch findet in Dänemark auch unter der Woche das
Leben ab 18 Uhr nicht mehr draußen statt und es wurden die Bürgersteige hochgeklappt,
sodass wir den letzten Abend an Bord mit Bananenbrot und „Wikingerschach“ gefeiert haben.
Am letzten Tag segelten wir die Ethel von Brixham wieder nach Hause und liefen gegen drei in
Kiel ein. Ein paar Schweinswale verabschiedeten unsere Woche noch in der Kieler Förde. Dann
kam der nervige Teil mit Putzen und Aufräumen, jedoch war das gut verteilt und ging sehr
schnell. Die Resteverwertung des Essens lief schon den ganzen Tag und so war das Schiffchen
um 17 Uhr leer und wieder 2 Tonnen leichter. Von Kiel über Hamburg, mit dem Zug nach Berlin
und dann nur noch duschen und ins Bett.
Rückblickend war es eine wunderschöne Woche mit ca. 140 Seemeilen und wird lange in
Erinnerung bleiben. Wir sind sehr dankbar für die Möglichkeit und freuen uns auf weitere
Segelfahrten dieser Art. Auch bedanken wollen wir uns bei allen, die uns unterstützt haben und
unserem tollen Skipper für diese schöne Zeit. Und damit schicken wir alle in ihre Familien
zurück und freuen uns, dass keiner geplatzt ist, bei dem Lebensmittelverbrauch, den wir in
dieser Woche hatten.

Mara Röger

Ethel von Brixham – Stapellauf: 1890
Baden – irgendwo auf der Ostsee
Navigationskurs an Bord

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